Via s`arcu `e chelu... die Regenbogenstraße.. auf Erkundungstour in Orotelli, einem kleinen Ort in der Barbagia unweit der Provinzhauptstadt Nuoro, ein ausgedehnter Spaziergang durchs Unterdorf, Mussinzua genannt. Der erwachende Frühling weht mit dem abendlichen Inselwind durch die Gassen... kleine Überraschungen lauern hinter jeder Abbiegung... das Dorf wirkt auf mich wie ein Mosaik, kleine Stückchen vom Glück,- dem Glück eine Entdeckerin zu sein...
Komm auch Du ins Dorf Orotelli am Rande der Marghine-Kette, auf der Granithochebene von Sa Serra, wo sich ein an prähistorischen Zeugnissen reicher Naturpark befindet. Orotelli ist ein Ort mit 1800 Einwohnern in der Barbagia di Ollolai. Es gehört zu den authentischen Dörfern Italiens und ist bekannt für die Herstellung von hochwertigem Getreide, Leder- und Steinartefakten sowie antiken Traditionen, wie z. B. die berühmte Maske der Thurpos (Blinde), die von Männern in einem schwarzen Mantel aus Orbace (reine Schurwolle) mit Kapuze getragen wird. Der Karneval von Orotelli ("carrasecare") ist neben dem von Mamoiada und Ottana einer der bedeutendsten und ältesten auf ganz Sardinien. Zum Ursprung des Ortsnamens Orotelli gibt es mehrere Hypothesen. Er könnte von den griechischen Worten oros (Hochland) und tello (geboren werden) oder vom lateinischen ortellius, Land des Goldes, abgeleitet sein, da das Gebiet reich an Weizen ist. Die Einheimischen nennen ihr Dorf daher liebevoll und ehrfürchtig "terra `e oro". Im Vergleich zu anderen nahegelegenen, agropastoralen Zentren zeichnet sich Orotelli seit jeher durch seine Getreideanbau-Tradition aus. Im Bereich des Handwerks sind die Schuhmacher Meister in der Herstellung von Sos cambales (Stiefelgamaschen) aus Leder. Man kann sie im November im Rahmen der Veranstaltung "Fainas de Ichinadu" (Autunno in Barbagia) bei der Arbeit sehen.
Das Dorf umfasst zwei Kerne. Die niedrigen, stabilen Granithäuser des Zentrums sind um die Pfarrkirche San Giovanni Battista verteilt, ein imposantes romanisches Bauwerk mit einem beeindruckenden Glockenturm aus dem 14. Jahrhundert, und die nahe gelegene Kirche San Lussorio, die im 18. Jahrhundert aus Granitquadern errichtet wurde. Von der Piazza San Giovanni aus steigt man allerdings zum dritten und schönsten Ortsteil hinauf, durch die engen Gassen vorbei am Felsen Crasti d`orzi mit dem 1935 von den Dorfbewohnern errichteten Kreuz (Sa rughe) gelangt man nach Iscaleddu, dem höchstgelegenen Ortsteil mit den bizarren Felsen, von wo aus man magische Sonnenuntergänge erleben kann. Im neuen Stadtteil Mussinzua sticht die moderne Pfarrkirche Spirito Santo hervor, die auf den Ruinen einer aragonesischen Kirche aus dem 14. Jahrhundert gebaut wurde. Auf dem Land sind zwei weitere Heiligtümer erwähnenswert, die im Mittelalter das Zentrum heute verschwundener Dörfer waren: Nostra Sennora de Sinne und die Chiesa campestre (Landkirche) San Pietro (Santu Predu) di Oddini, wo jeweils einmal im Jahr ein neuntägiges Pilgerfest gefeiert wird, welches die Einheimischen mit allen dazugehörigen Traditionen hochhalten.
Die Ursprünge des Dorfes gehen auf pränuragische Zeit zurück, was durch den Dolmen von Sinne belegt wird. Die Gigantengräber Forolo und Sa Turre ‘e Su Campanile stammen aus der Bronzezeit, ebenso wie diverse Nuraghen (einige davon eintürmig), darunter die spektakuläre Nuraghe Aeddos, eines der bedeutendsten prähistorischen Zeugnisse des Gebietes um Nuoro. Sie wurde aus enormen Granitblöcken erbaut und hat riesige Ausmaße, die über Jahrtausende hinweg erhalten geblieben sind. Interessant sind auch die kleine Nuraghe Càlone, die den Ortseingang dominiert, und eine Nuraghe mit Hauptturm und dreilappiger Bastion im Park Sa Serra.
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